0 A.D. ist die „Age of Empires“-Fortsetzung, die wir schon immer haben wollten

Mit Age of Empires 2 endet für viele Fans das berühmte Echtzeitstrategie-Franchise. Denn nach diesem zweiten Teil verließen die Entwickler die beliebten Schauplätze der Antike und des Mittelalters, um stattdessen im Amerika des 18. Jahrhunderts ihre Zelte aufzuschlagen – sehr zum Unmut vieler Fans der Reihe. Das hochwertige Fan-Projekt 0 A.D. setzt nun schon seit 9 Jahren zum Sprung in die Bresche an und will uns endlich das Age of Empires bieten, das wir damals eigentlich gewollt haben.

No comments

Dass das Entwicklerteam von Wildfire Games ein besonderes Auge für Details hat, macht sich schon im Namen ihres ersten und einzigen Projekts bemerkbar: 0 A.D., also „das Jahr Null im Jahre des Herrn“ ist eigentlich eine unsinnige Zeitangabe, das in historischen Kalendern nicht vorkommt. Aber dahinter steckt eine Botschaft: „Unser Spiel mag historisch authentisch aussehen, ist aber doch nur Fiktion, in der wir uns einige Freiheiten erlauben.“

add03
Viele der Gebäude tragen ihre historischen Namen, wie hier das Gymnasion.

Und diese Erinnerung, dass sich 0 A.D. ein wenig kreativen Freiraum lässt, scheint zuweilen tatsächlich auch notwendig sein. Spielmechanisch fühlen wir uns zwar sofort an die Echtzeitstrategie eines Age of Empires oder auch Age of Mythology erinnert – wir beginnen als kleines Dorf und müssen uns an die Spitze der imperialistischen Nahrungskette kämpfen – , doch die vielen Details der Inszenierung und Präsentation machen den Eindruck, als hätten wir eine hochwertige Realismus-Mod für die beiden großen Vorbilder vor uns: Tempel ahmen die Grundrisse ihrer historischen Vorbilder nach, die Ausrüstung vieler Soldaten stützt sich auf archäologische Überreste, Dorfbewohner tragen eine Mode, die in Museen und Ausstellungen recherchiert wurde.

Dieser Sinn für Details ist einer der größten Erfolge, mit denen sich Wildfire Games nach über neun Jahren Entwicklungszeit schmücken darf – und trotzdem scheint noch immer kein Release-Datum in Sicht zu sein.

Eine 18 Jahre alte Idee wird Wirklichkeit

Während die eigentliche Entwicklungsarbeit des bunt gemischten Entwicklerteams an 0 A.D. mit wechselnder Besetzung im Jahr 2010 offiziell begann, ist die Idee für das Spiel ungleich älter: Schon im Jahr 2000 begannen drei Modding-Gruppen unabhängig voneinander damit, ganz unterschiedliche, inoffizielle Erweiterungen für Age of Empires 1 und Age of Empires 2 zu entwickeln. Im Fan-Forum Age of Kings Heaven fand man schließlich zueinander und unter der Leitung des damals 23-jährigen Jason „Wijitmaker“ Bishoper versuchten die drei Teams, ihre Ideen zu kombinieren und zu einem gemeinsam Projekt zu verschmelzen.

add05
Die Architektur und Baustile der verschiedenen Völker unterschieden sich unübersehbar voneinander und müssen sich mit ihrer Liebe zum Detail vor keiner Lupe fürchten.

Es dauerte rund drei Jahre, bis die Hobby-Programmierer ein Design Paper, also ein ausformuliertes, konkretes und umfangreiches Konzept entwickelt hatten. Damit war der Startschuss für ein Projekt gefallen, das mittlerweile open source und komplett gratis zum Download angeboten wird. Das Team, das unbezahlt und ausschließlich in ihrer Freizeit an 0 A.D. arbeitet, zieht dabei einen großen Teil ihrer Motivation aus den zahlreichen Auszeichnungen, die sie für ihre Arbeit schon erhalten haben: Seit 2008 taucht das Projekt jährlich in den 100 besten Mods und Independent Produktionen von Indie DB und Mod DB auf. Auch größere Spieleseiten werfen regelmäßig einen längeren Blick auf dieses Spiel, das nun fast schon für über eine Dekade in Arbeit ist.

Mittlerweile hat 0 A.D. die Alpha-Phase erreicht, bietet 12 spielbare Fraktionen aus dem gesamten Mittelmeerraum und wahlweise Kämpfe gegen eine potente K.I. oder Online-Freunde. Größtes Highlight des Spiels ist und bleibt dabei aber das Design und die Inszenierung der ganz unterschiedlichen Kulturkreise, die allesamt eigene Architekturstile und Einheiten besitzen.

add06
In der aktuellen Alpha-Version des Spiels haben Einheiten noch Probleme, sich in Formationen zurechtzufinden. Lange gestört hat das allerdings nicht, dafür überwiegen die Stärken des Spiels schon jetzt.

Ja, ich gebe es zu, den Großteil meiner bisherigen Spielzeit habe ich damit verbracht, den stufenlosen Zoom zu bemühen und mir jeden Stein und jeden Holzbalken genau anzusehen. Aber auch abseits dieses fast schon musealen Mehrwerts macht 0 A.D. als ganz klassisches Echtzeitstrategiespiel unheimlich viel Spaß und bietet trotz Alpha-Umfang alles, was es für eine spannende Spielrunde braucht.

Ihr könnt das Spiel kostenfrei über die Website des Projekts herunterladen. Dort findet ihr auch eine kurze Anleitung, wie ihr die Spieldateien auf eure Festplatte wuchten könnt.