Ausgegraben

Kingdoms & Castles – Simple City statt SimCity im meditativ-hübschen Mittelalter

Das minimalistische Aufbaustrategiespiel Castles & Kingdoms erinnert uns daran, dass Spielspaß nicht mit der Anzahl von Features zusammenhängt.

Es fällt nicht sonderlich schwer, die Feinheiten von Kingdoms & Castles zu durchschauen und den eigenen Spielstil zu optimieren. Recht schnell haben wir begriffen, welche der etwa 30 verschiedenen Gebäude in welcher Reihenfolge und an welchem Ort der zufallsgenerierten Spielkarte hochgezogen werden müssen, um unser anfängliches Mittelalter-Dorf schnell florieren zu lassen. Irgendwann greifen dann die Wikinger unsere Siedlung an, zerschellen allerdings an den klug positionierten Steinwällen und können vor ihrem Rückzug nur einige Farmen zerstören, die wir dank leistungsstarker Wirtschaft problemlos wieder reparieren. Spiel gewonnen.

Wer Kingdoms & Castles auf diese Weise spielt, der wird tatsächlich nur etwa 90 Minuten Spaß haben, bis alles gesehen und ausprobiert wurde. Anschließend führt der Weg auf die Steam-Page, wo man die übrigen negativen Reviews, die den Umfang des Spiels bemängeln, um seine eigenen eigenen Unmut ergänzen kann.

Wer allerdings von dem Anspruch ablässt, eine klassische Herausforderung zu suchen, der kann das volle Potential von Kingdoms & Castles freispielen: Eine schon fast meditative Entspannungsübung, die uns quasi nebenbei eine virtuelle Siedlung in hübschem Low-Poly-Look aus dem Boden stampfen lässt. Die meisten Ressourcen lassen sich direkt und ohne Zwischenstation beschaffen (Gefällte Bäume liefern Holz, aktive Steinbrücke liefern Stein, Felder liefen Nahrung) und auch das Besteuerungssystem ist denkbar einfach. Sobald wir eine Schatzkammer errichtet haben, dürfen wir regelmäßig einen, zwei oder drei Goldtaler von jedem Stadtbewohner einstreichen, um damit dann den Sold unserer Kämpfer zu bezahlen. Sollte die Zufriedenheit der Untertanen dabei den Sinkflug antreten, reicht oft schon ein frisch hochgezogener Dorfplatz aus, um die Mundwinkel schnell wieder in die Höhe schnellen zu lassen. Sehr angenehm!

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Glücklicherweise wird niemand zum Abwehrkampf gegen Wikinger gezwungen: Im einfachsten Spielmodus verzichtet das Spiel auf störende Gegner  und rückt den Städtebau noch viel weiter in den Vordergrund. Die Kämpfe spielen sich im Vergleich zum sonst unheimlich flüssigen Spielgefühl nämlich unangenehm hakelig und wirken eher wie eine störende Ablenkung, als eine bedeutsame, weitere Spielerfahrung. Ohne die Invasoren aus dem hohen Norden bleiben nur Krankheiten und Feuersbrünste, die unseren Bewohnern gefährlich werden könnten. Hier ein Brunnen, dort ein Krankenhaus und schon ist auch dieses Problem schnell gelöst.

Simple City statt SimCity

Hinter Kingdoms & Castles steckt das Indie-Entwicklerteam Lion Shield, hinter dem wiederum die beiden Entwickler Peter Angstadt und Michael Peddicord stecken. Die beiden haben sich in der Vergangenheit durch ihre Mitarbeit an Spielen wie Spore, Abzu oder Journey ihre Sporen verdient und hatten abseits dieser Projekte offenbar schon immer etwas für Aufbaustrategie übrig. In Interviews nennt das Duo immer wieder Titel wie Caesar, Banished oder Sim City als große Vorbilder, deren Komplexität aber in der Vision von Kingdoms & Castles keinen Platz gehabt hat.

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Nachdem das Erstlingswerk von Lion Shield mit unglaublichem Erfolg innerhalb von zwei Stunden auf der Crowdfunding-Plattform FIG finanziert wurde, sprang Kingdoms & Castles im Juni 2017 nun in die Ladenregale. Nächster Halt: VR-Support.

„VR support for this project is a bit of an experiment. City-building hasn’t been done yet in VR, and we’re excited to see what can be achieved and how the gameplay can be improved with a VR option. From our preliminary development with VR in Kingdoms and Castles, the sense of immersion is unmatched compared to any city sim game we’ve ever played before. We want our players to feel connected to the world they are building and the people that they govern. Standing in the Kingdoms and Castles world with birds flying around, clouds overhead, and people at your feet – it’s fantastic.”

Ich persönlich aber werde wohl bei der klassischen PC-Version von Kingdoms & Castles bleiben, das mich auf sehr angenehme Weise erinnert hat, dass ich auch ohne 200 Produktionsketten und optionalen Siegesbedingungen viel Spaß haben haben kann. Simpel, durchschaubar und kurzweilig sind allesamt treffende Beschreibungen für dieses Spiel, die ich allerdings schon nach der ersten Spielstunde sehr zu schätzen gelernt habe.

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