Hard Ancient Life: Wenn ein Ägyptologe ein Aufbauspiel im Alten Ägypten entwickelt

Auf dem Papier scheint es so logisch zu klingen: Ein Aufbauspiel trifft auf das Alte Ägypten, das Land der Pyramiden, der Monumentalbauten, der Tempelanlagen und Großstädte — was für eine großartige Kombination von Genre und Schauplatz. Umso erstaunlicher ist es, das seit den Tagen des Klassikers Pharao (1999) kaum ein Spiel versucht hat, diese Nische für sich zu erobern. Moderne Aufbauspiele der Marke Sim City, Cities: Skylines, Anno oder sogar Stronghold widmen sich da lieber entweder der zeitgenössischen Urbanistik oder wagen sich höchstens an die längst ausgelutschten Skylines des Mittelalters oder der Frühmoderne.

Dieser Notstand an Aufbauspielen im Alten Ägypten könnte sich nun allerdings bald ändern: Hard Ancient Life schickt sich an, in die von Pharao hinterlassene Bresche zu springen — und obwohl der Release erst Ende 2018 ansteht, blitzt das Potential des Projekts schon jetzt deutlich auf.

Schaffe, schaffe, Pyramiden bauen

Denn Hard Ancient Life bringt einige interessante Ideen an den Tisch der Aufbausimulation, die wir so in noch keinem Spiel des Genres sehen durften. Als Beispiel sei hier der Bau einer Pyramide genannt, der im Spiel zu den größten und teuersten Bauprojekten überhaupt gehört. Chef-Entwickler Jacek Turek, der die Programmierung seines Projekts ganz alleine stemmt, erklärt uns den Prozess:

„Die Errichtung eines Monumentes wie einer Pyramide ist ein Bauprojekt, das in mehrere Phasen unterteilt ist. Jede dieser Phasen erfordert eigene Rohstoffe, Bauprozesse, Bauexperten und Arbeitskräfte.“ Im Fall der Pyramiden beginne alles erst einmal mit der Errichtung eines Lagers, in dem die Arbeiter schlafen und sich ausruhen können — und das regelmäßig mit Nahrung und anderen Gebrauchsgegenständen beliefert werden muss.

Die Arbeitskräfte transportieren Baumaterialien zur Baustelle.
Das Areal wurde soeben geflutet, um das Baufundament vorzubereiten.

„Anschließend muss der Spieler dafür sorgen, dass ununterbrochen Baumaterialien wie Stein, Holz, Kupfer, Öl und Farbe zum Lager der Arbeiter gebracht wird. Wer übrigens zu viele Arbeitskräfte zum Pyramidenbau schickt, könnte indirekt dafür sorgen, dass die fleißigen Hände in der eigentlichen Stadt fehlen, um andere Alltagsaufgaben zu verrichten.“ Anschließend beginnt der eigentliche Bau, der einige Zeit in Anspruch nehmen und den Wirtschaftskreislauf spürbar belasten wird — ganz so, wie es eben auch wohl damals im Alten Ägypten war.

Mit Liebe zur Geschichte

Dieser ständige Bezug zur Geschichte des Alten Ägypten und dem Anspruch, so viele Gebäude, Objekte und Prozesse an die archäologischen Quellen anzulehnen, kommt nicht von ungefähr: Jacek Turek hat in Polen Ägyptologie studiert und nicht zuletzt wegen seiner Pharao-Leidenschaft schließlich entschieden, ein eigenes Spiel zu entwickeln, das die Formel des Aufbauklassikers um etwas mehr „historischen Realismus“ erweitern will.

Ein Handelsschiff lädt in diesem noch sehr kleinen Hafen neue Waren auf.

Aus diesem Grund soll sich Hard Ancient Life nicht alleine auf die Baugeschichte konzentrieren, sondern auch die Möglichkeit bieten, den Alltag der altägyptischen Bewohner zu gestalten und zu beeinflussen. So soll es den SpielerInnen offen stehen, eigene Feste zu Ehren eines bestimmten Gottes zu konzipieren und zu organisieren, die dann regelmäßig ausgerichtet werden.

All das klingt nach spannenden Innovationen, die den klassischen „Bau eine florierende Stadt“-Aspekt von Hard Ancient Life erweitern. Denn neben diesen neuen Ideen vernachlässigt HAL natürlich nicht das, was sich Fans des Genres wohl vor allem von einem Aufbauspiel versprechen: Die Errichtung von Wohnvierteln, den Aufbau einer Wirtschaft, das Pflegen von Handelsrouten in Nachbarländer und all die anderen Dinge, die wir mit Pharao, Caesar & Co. so zu schätzen gelernt haben.

Ende 2018 soll Hard Ancient Life erscheinen, eine Steam-Page gibt es bereits und mit ein wenig Glück wird der Chef-Entwickler bald für ein Interview nochmals bei ArchaeoGames vorbeischauen.

Dom Schott

Dom Schott hat Archäologie studiert und schreibt als freier Journalist besonders gerne über spannende Online-Communities, Archaeogaming und seine zwei Kater.