Spielvorstellung

This Land Is My Land will die Geschichte des „Wilden Westens“ um eine häufig übersehene Perspektive ergänzen

This Land Is My Land lässt uns als amerikanischer Ureinwohner gegen die Siedler aus der Alten Welt kämpfen und verspricht, seine Spielwelt unvorhersehbar zu gestalten. Der süße Duft von Potential liegt in der Luft, doch die wirklich spannenden Fragen bleiben bisher unbeantwortet.

Auf dem Papier macht die Idee von This Land Is My Land einen vielversprechenden Eindruck: Statt mal wieder den Cowboyhut schief aufzusetzen, die Colts in den Gürtel zu klemmen und im Saloon beim Poker zu schummeln, will uns das Entwicklerteam von Game Lab die andere Seite des sogenannten Wilden Westens entdecken lassen: Als amerikanischer Ureinwohner sollen wir die europäischen Eindringlinge aus unserer Heimat wieder vertreiben.

Die Idylle täuscht, denn in This Land Is My Land soll die Spielwelt zu unseren ärgsten Feinden zählen. (CR: Game Labs)

Nicht gerade eine einfache Aufgabe – und die Tatsache, dass wir über weite Strecken alleine agieren und von einer durch und durch feindlich gesinnten Spielwelt umgeben sind, wird diese Herausforderung sicher nicht einfacher gestalten. Auf der offiziellen Homepage von This Land is My Land heißt es hierzu:

Game mechanics will treat you as an intelligent adult who can make smart decisions to overcome our cooperative AI, that intellegently reacts to threats and changing surroundings. (…) It’s an hostile world.

Wir müssen uns also auf unsere Fähigkeit verlassen, unbemerkt durch die Landschaft zu schleichen und schnell die richtige Antworten auf eine sich ständig verändernde Umgebung zur Hand zu haben. Und diese ständigen Veränderungen nimmt This Land Is My Land interessanterweise auch an anderer Stelle sehr wörtlich.

Wie Game Lab erklärt, werden sich Siedlungen, Lager, Militärposten und Städte in jedem Spieldurchlauf neu und dynamisch entwickeln – eine Info, die das Archäologen-Herz in mir verdammt schnell schlagen lässt! Welche Faktoren die Baupläne der KI-Bewohner beeinflussen oder ob sich alles zufallsbasiert abspielt, haben die Entwickler bisher noch nicht verraten und wollten sich auch auf meine Anfrage hin noch nicht zu diesem Feature äußern.

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In jedem Spieldurchlauf schlagen die Bewohner dieser Spielwelt ihre Zelte an anderen Orten auf – zumindest lautet so das Versprechen der Entwickler. (CR: Game Labs)

Zwischen Klischee und würdiger Repräsentation

Ein großes Fragezeichen steht außerdem hinter der Überlegung, ob es Game Lab gelingen kann, ihr Spiel nicht zu einer Wildwest-Romantik verkommen zu lassen, in der die Kultur der amerikanischen Ureinwohner auf ein Abziehbild reduziert wird. Leider scheint das Kernteam von Game Labs zumindest zur Ankündigung des Spiels nicht sonderlich reflektiert über die Thematik zu denken: So kündigte einer der Entwickler This Land Is My Land im offiziellen Forum als “Indianerspiel” an, offenbar ohne um die koloniale Vorbelastung des Wortes im Englischen zu wissen.

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Das muss andererseits aber auch nicht allzu viel für das Spiel selbst bedeuten, denn wie es außerdem im Forum heißt, scheint This Land Is My Land von einem separaten Team entwickelt zu werden. Wie dieses Team zusammengesetzt ist, bleibt vorerst offenbar ein Geheimnis. Ob Angehörige indigener Völker bei der Entwicklung des Spiels beratend zur Seite stehen oder den Hauptcharakter vertonen – eigentlich ein Muss bei einer solchen Produktion –, wollte Game Labs weder auf meine Nachfrage, noch im offiziellen Forum beantworten.

Auch bin ich sehr gespannt darauf, was diese Welt abseits der Attentate, Konflikte und Schleichereien noch zu bieten hat. Dürfen wir etwa die Gemeinschaften der Ureinwohner aus nächster Nähe kennenlernen? Oder befinden wir uns in einem Commandos-ähnlichem Dauerzustand, der uns weit weg von Familie und Heimat ohne Unterlass gegen die Siedler kämpfen lässt?

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Konzeptzeichnung des Hauptcharakters, von dem wir bisher weder Namen, noch Stammeszugehörigkeit kennen. (CR: Game Labs)

Bis This Land Is My Land irgendwann 2018 noch mehr von sich preisgibt, schlucke ich mein leicht ungutes Gefühl erst einmal herunter und bleibe gespannt, ob die Entwickler eine interessante, aber auch respektvolle Spielwelt rund um die Kultur der amerikanischen Ureinwohner schaffen können. Die letzten Dekaden haben wahrlich genug oberflächliche Winnetou-Stereotypen ertragen müssen und This Land Is My Land könnte dieses Ungleichgewicht zumindest ein wenig nachjustieren.

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