Ubisoft macht 14 Vorschläge für den Schauplatz des nächsten Assassin’s Creed – und drei davon sind ganz besonders spannend

Ich mag Assassin’s Creed Origins sehr, wirklich sehr. Für mein Empfinden reizt es die Stärken des eigenen Franchises so stark und nach allen Seiten hin aus, wie schon lange kein Teil der Spielereihe mehr.

Assassin's Creed® Origins

Es macht ein geheimnisvolles Kapitel der Menschheitsgeschichte greifbar, erlebbar, unmittelbar: Die Abenteuer von Held Bayek füllen die Lücken zwischen den Zeilen der oft so trocken geschriebenen Geschichtsbüchern mit virtuellen Figuren auf, die Mumien einbalsamieren, am Nil entlang spazieren, mysteriöse Rituale zelebrieren oder in heute verlorenen, legendären Städten einfach nur Zeit totschlagen. Über diese Eindrücke kann ich auch sehr gut verdrängen, wie langweilig und vorhersehbar die eigentliche Hauptgeschichte und viele der Nebenquests gestaltet sind. Die Geschichten, die ich in diesem riesigen Land selbst schreibe, sind ohnehin spannender.

Und während ich noch immer diese faszinierende, aber sicherlich nicht unproblematisch rekonstruierte Vision des Alten Ägypten erkunde, wirft Ubisoft allmählich einen Blick in die Zukunft: Wenn wir einem Reddit-User glauben dürfen, verteilt der Publisher in der Assassin’s Creed-Community aktuell einen Fragebogen, auf dem die auserwählten Fans aus 14 Schauplätzen für ihren Favoriten stimmen dürfen.

Selbst, wenn die Umfrage nicht echt ist, regt sie doch die Fantasie an, wohin die Reise des Franchises als nächstes gehen könnte. Von der Auswahl, die Ubisoft laut Reddit-User zusammengestellt hat, reizen mich dabei drei Schauplätze ganz besonders – und die will ich euch hier gerne etwas näher vorstellen.

Die sogenannten “Alexanderfeldzüge”

Alexander der Große trägt seinen Beinamen nicht ohne Grund: Die Feldzüge des Makedonen im 4. Jahrhundert vor Christus führten ihn durch ganz Kleinasien, Ägypten und bis an die Grenzen Indiens. Er bereiste das Zentrum der damals bekannten Welten und errichtete ein gigantisches Weltreich, das allerdings nach seinem frühzeitigen Tod schnell wieder in sich zusammenbrach.

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Das berühmte Alexandermosaik zeigt Alexander (auf dem Pferd links) im Ansturm auf den persischen Anführer Dareios II. während der Schlacht von Issos.

Die Geschichts- und Lehrbücher über diese charismatische Person sind heute vor allem von Zahlen geprägt: Wie viele Städte gründete er, wie viele Soldaten führte er mit sich, wie viele Tage, Monate und Jahre hielt er sich in dieser und jenen Region auf – Fragen wie diese beherrschen die Inhaltsverzeichnisse der Alexander-Literatur. Ein Assassin’s Creed-Spiel könnte diesem Kapitel der Geschichte ein Gesicht geben und ähnlich wie das Alte Ägypten in Origins die Feldzüge Alexanders greifbar und erlebbar machen.

Auch spielmechanisch kann ich mir hier tolle Experimente vorstellen, die eine derart gigantische virtuelle Welt (Entfernung Athen – Delhi: Über 6000 Kilometer!) interessant machen könnte: Als Leibwächter von Alexander beispielsweise müssen wir den General auf seiner langen Reise stets begleiten und dürften uns nur für bestimmte Zeit in einer Region der Spielwelt aufhalten, bis der große Trott weiterzieht. Klar, nicht unbedingt jeder Spieler ist ein großer Freund von Zeitdruck, andererseits kann ich mir gut vorstellen, dass ein Besuch in Alexandria, Pergamon & Co. noch viel intensiver und interessanter wird, wenn im Hintergrund irgendeine Art von “Countdown“ tickt.

Die Kämpfe der Kriegsfürsten und Clans im feudalen Japan

Die japanischen Inseln zwischen dem späten 15. Jahrhundert und den frühen 1600-er Jahren waren nicht gerade ein gemütlicher Ort für den friedlichen Lebensabend: Vor dem Hintergrund eines an Einfluss verlorenen Kaisers konkurrieren in dieser unruhigen Zeit dutzende Feudalfürsten um Macht und Land.

Ein Assassin’s Creed, das diese turbulente Zeit als Schauplatz erwählt, würde uns nicht nur zum Zeugen der machtpolitischen Spiele, Intrigen und Schlachten machen, sondern uns vor allem mit einer ganz neuen Architektur und Gesellschaftsordnung konfrontieren, die bisher kein Spiel der Reihe erkundet hat.

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Fans wünschen sich schon seit Jahren, dass Assassin’s Creed endlich die Reise ins feudale Japan der Samurai ankündigt.

Assassin’s Creed habe ich noch nie wegen der unvermeidlichen Kämpfe und gewaltsamen Konflikte gespielt und auch in Japan würde mich dieser Aspekt wohl recht kalt lassen. Doch die Aussicht, mal andere Gebäude als europäisch oder mediterran geprägte Kulissen zu erklimmen – oder etwa als Ninja-Assassine generell direkte Konfrontationen scheuen zu müssen – klingt in meinen Ohren außerordentlich reizvoll und spannend.

Hannibal und die punischen Kriege

Geschichtsbücher berichten über die sogenannten punischen Kriege, der Kampf zwischen Rom und Karthago im 3. und 2. Jahrhundert vor Christus, häufig aus einer sehr römischen Perspektive: Die Abfolge der Ereignisse lesen sich immer wieder wie die Schilderung eines „Überlebenskampfes des verzweifelten, aber tapferen römischen Volkes“, das am Ende über die nordafrikanischen Invasoren und Aggressoren triumphieren kann.

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Hannibals Weg nach Rom führt den karthagischen General und seine Armee quer durch Südwesteuropa.

Ein Assassin’s Creed würde uns die Möglichkeit schenken, diese Geschehnisse aus einer neuen Perspektive nachzuerleben: An der Seite des karthagischen Generals Hannibal würden wir nicht nur Teil der spektakulären Alpenüberquerung werden, an der sogar Kriegselefanten teilgenommen haben. Wir würden auch mehr über den Teil dieser Geschichte erfahren, die unsere Lehrbücher heute gerne außen vor lassen: Was stand für die Karthager eigentlich auf dem Spiel? Warum war Hannibal so entschlossen, Rom zu besiegen? Was bedeutet die ultimative Niederlage für die überlebenden Karthager? Fragen wie diese könnte ein neues Assassin’s Creed beantworten und uns nicht zuletzt spektakuläre Landschaften in Nordafrika, Spanien, Südfrankreich und schließlich Italien auf den Bildschirm zaubern.

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Dom Schott

Dom Schott hat Archäologie studiert und schreibt als freier Journalist besonders gerne über spannende Online-Communities, Archaeogaming und seine zwei Kater.