Zwischen notverkauften Fahrrädern und einer farbenfrohen Vision: Der Kampf eines indischen Märchens um die Finanzierung

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Videospiele über uns fremde Kulturen sind alles andere als selten, während Videospiele aus diesen fremden Kulturkreisen rar sind. Raji: An Ancient Epic gehört in letztere Kategorie und entführt uns in eine märchenhafte Vision des mittelalterlichen Indiens, wo wir als junges Mädchen Raji gegen Götter und Dämonen kämpfen müssen. Die Inspiration für jeden einzelnen Levelabschnitt, jeden Gegner und Rätselabschnitt zieht das Entwicklerteam von Nodding Heads Games dafür aus der farbenfrohen Welt des Hinduismus, die in der Spielelandschaft bisher nur selten so weit in den Vordergrund gerückt wurde.

„Selbst für Inder ist unser Spiel ein exotisches Erlebnis.“

Die Geschichte um Raji soll besonders sein und sich neu, unverbraucht anfühlen – und zwar nicht nur für westliche Spieler, sondern auch für Menschen, die wie ein Großteil des Entwicklerteams selbst aus Indien stammt: “Wir haben bisher außerordentlich positive Reaktionen auf unser Spielkonzept erhalten – gerade auch von der indischen Community. Selbst für Inder ist unser Spiel ein exotisches Erlebnis, denn es gibt nur wenige Spiele, die das Universum des Hinduismus bisher gründlich erkundet haben”, erklärt mir der Leiter des Entwicklerteams, Achival Singh, im Interview. Trotz dieser dankbaren Vorlage sei es ihm wichtig gewesen, dass die Geschichte von Raji aber noch mehr ist, als nur eine Nacherzählung hinduistischer Mythen: “Unser Spiel ist von dieser antiken Religion stark inspiriert, aber das Universum von Raji ist trotzdem einzigartig.”

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Konzeptzeichnung für Raji: An Ancient Epic (CR: Nodding Heads Games)

Auf dem Papier klingt Raji: An Ancient Epic, das spielmechanisch an die Diablo-Reihe erinnert, nach einem vielversprechenden Titel, der schon jetzt seine Zielgruppe gefunden hat. Die Realität allerdings sieht ein wenig anders aus: Das Spiel kämpft derzeit auf Kickstarter um eine erfolgreiche Finanzierung, die nur langsam, vielleicht zu langsam, Fortschritte macht.

Dieser Kampf um Unterstützung ist dabei nicht zuletzt auch deswegen so schwer, weil insbesondere die indische Zielgruppe davor zurückschreckt, das Spiel finanzieren zu wollen. Das hat Achival und sein Team bereits vor Startschuss der Kickstarter-Kampagne vorausgesehe, denn: In Indien beherrschen Mobile Games den Markt, PC- und Konsolenspieler gehören zur Minderheit – doch genau für diese Plattformen entwickelt Nodding Heads Games ihr Projekt. “Unser Spielprinzip würde nicht als Mobile Game funktionieren. Wir sind nunmal PC- und Konsolenspieler aus Leidenschaft und wollten etwas erschaffen, zu dem wir eine Verbindung haben”, offenbart mir Achival, als ich ihn nach möglichen Gründen für die aktuell schleppende Kickstarter-Finanzierung anspreche.

Das Team hofft nicht zuletzt wegen diesen Eigenheiten des indischen Marktes, dass Raji: An Ancient Epic auch international gut ankommen und Spieler neugierig machen kann. Für das Entwicklerteam steht viel auf dem Spiel: Einzelne Mitarbeiter haben bereits ihre Fahrräder verkauft, Wohnungen gekündigt und sind zusammengezogen, um das so dringend benötigte Geld für ihr Projekt zusammenzukratzen. Den Rest muss Kickstarter finanzieren. Sollte das nicht klappen, wird das Team allerdings ihr Konzept nicht direkt in den Mülleimer werfen, sondern nach neuen Möglichkeiten suchen, die Geschichte von Raji doch noch erzählen zu können. “Das ist schon längst kein einfaches Spiel mehr, sondern ein wichtiger Teil unseres Lebens”, erklärt mir Achival. “Aber momentan ist Kickstarter unser primärer Fokus und ich kann wirklich nur darum bitten, über einen kleinen Geldbeitrag nachzudenken, wenn euch gefällt, was ihr auf unserer Kickstarter-Seite seht.” Aktuell bleiben dem Entwicklerteam noch 19 Tage, um knapp 100.000 Euro einzusammeln und das Finanzierungsziel zu erreichen.

 

 Über diesen Link gelangt ihr zur Seite des Kickstarter-Projekts, wo ihr euch selbst ein Bild von dem Abenteuer des kleinen Mädchen Raji machen könnt, das uns Archival mit seinem Team so gerne selbst erleben lassen will.