Nude-Modder gefragt: Warum machst du virtuelle Menschen nackt?

Nude- oder Nackt-Mods sind ein Teil der Spielkultur, der irgendwie schon immer dagewesen war. Der Reiz, Videospielhelden und -heldinnen zu entkleiden und nackt auf ihre Abenteuerfahrt zu schicken, hat ganze Generationen an Programmiereren dazu inspiriert, mit Hilfe einfacher Skripte und Code-Zeilen die virtuellen Kleidungsstücke zu Fall zu bringen. Fast immer überschreiten diese Modder damit Grenzen, die von den Entwicklern oder der Community selbst gezogen wurden: Ken Levine beispielsweise ärgert sich bis heute über jeden 3D-Porno, in dem Charaktere aus seinen Spiele-Universen mitspielen müssen, während die Nude-Modding-Community von Dragon Age und Skyrim schon lange nicht mehr mit der bloßen Nacktheit zufrieden ist, sondern mitunter sogar „Rape Mods“ zur Verfügung stellt. Meist wird dabei nur gemutmaßt, was diese Modder bei ihrer Arbeit antreibt: Die Lust am Verbotenen? Die Neugier auf virtuelle Nacktheit? Oder ist doch alles nur als großer, seltsamer Spaß gemeint?

Um zumindest ein Schlaglicht auf diese Community zu werfen, hat sich ArchaeoGames mit „hvip4“ unterhalten: Dieser Modder hat es zu einer gewissen Bekanntheit innerhalb der Szene geschafft, als er Anfang 2018 die erste Nackt-Mod für das Mittelalter-Rollenspiel Kingdom Come: Deliverance bastelte und zum Download anbot. Mehr als 30.000 Mal wurde seine Mod bereits heruntergeladen, die Nutzer loben die Qualität seiner Arbeit.

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Die Mod von hvip4 gehört zu den erfolgreicheren Erweiterungen für Kingdom Come: Deliverance.

Im Interview galt es nun herauszufinden, wie der Mensch hinter dieser Nude Mod eigentlich so tickt.

ArchaeoGames: Hi! Schön, dass das mit dem Interview geklappt hat. Zuallererst würde ich gerne ein wenig mehr über dich selbst erfahren: Wie alt bist du und was machst du so, wenn du nicht gerade Mods bastelst?

hvip4: Mein Name ist Jan, ich bin 21 Jahre alt und arbeite als freiberuflicher Webentwickler. Ich lebe in Tschechien und verbringe sowohl beruflich, wie auch in meiner Freizeit sehr viel Zeit mit Computern. Ich treibe auch gerne Sport, gehe gerne schwimmen, aber am liebsten bin ich dann doch vor dem PC. Ich liebe Rollenspiele, habe hunderte Stunden mit Skyrim und den Witcher-Spielen verbracht und auch Kingdom Come: Deliverance hatte ich schon lange vor Release ins Auge gefasst.

AG: Wann hast du denn damit angefangen, erste Mods zu basteln? Und warum machst du das eigentlich? Ich meine, sowas kostet ja viel Zeit und sicherlich auch Nerven, also musst du doch sicher einen guten Grund dafür haben, oder?

Jan: Ich habe schon immer gerne Mods für alle möglichen Spiele benutzt. Vor allem aber Skyrim habe ich mit dutzenden Mods gespielt, die vor allem die Spielwelt aufhübschen und die Menüführung nutzerfreundlicher machten. Diese Mod aber, die ich nun für Kingdom Come: Deliverance gemacht habe, war tatsächlich meine allererste Mod, die ich jemals zusammengebastelt habe. Ich weiß nicht, ob ich das jemals wieder machen werde, aber es hat mir tatsächlich viel Spaß gemacht und stellte sich als einfacher heraus, als gedacht.

AG: Wie lange dauert es denn eigentlich so ganz konkret, eine Nude Mod wie deine zu programmieren? Steckt da wirklich so viel Arbeit dahinter, wie ich es mir gerade vorstelle?

Jan: So eine Mod zu entwickeln ist definitiv schwieriger und umfangreicher, als einfach nur eine Erweiterung zu basteln, die Haare oder das Gesicht einer Spielfigur ändern soll. Vor allem die Programmierung weiblicher Brüste stellte sich als unerwartet anspruchsvoll heraus, weil diese Formen sehr schnell sehr künstlich und irgendwie falsch aussehen können. Ich habe dann auch ziemlich schnell den Blick dafür verloren, dass ich da gerade virtuelle Brüste modelliere, sondern das war dann ein Handwerk für mich, bei dem nur noch technische Details wichtig waren.

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Eine Besonderheit der Nude-Mod von Jan: Nur, weil die Erweiterung installiert wurde, sind nicht gleich alle Spielfiguren nackt. Stattdessen muss der Spieler die entsprechende Spielfigur bewusstlos schlagen, um ihr anschließend die Kleidung stehlen zu können. Davon ausgenommen ist nur die Hauptfigur des Spiels, Henry – er kann sich jederzeit entkleiden.

AG: Du giltst in der Modding-Community ja als der erste Mensch, der eine Nude-Mod für Kingdom Come: Deliverance erstellt hat – was ja doch relativ erstaunlich ist, gemessen an der schieren Größe der Kingdom-Come-Spielerschaft. Wann hast du für dich entschieden, für dieses Spiel eine solche Erweiterung zu programmieren? Und musste es ausgerechnet eine Mod sein, die Männer und Frauen im Spiel komplett entkleidet?

Jan: Meine ursprüngliche Motivation für diese Mod ist ziemlich simpel zusammenzufassen. Ich hatte da einfach Bock drauf. Ich bin nunmal ein Typ, der gerne erotische Gedanken hat und ich weiß, dass ich damit nicht alleine bin – schau doch nur mal, wie viele Nackt-Mods es für Skyrim gibt zum Beispiel. Natürlich laufe ich im Spiel nicht ständig allen Frauen hinterher und will sie ausziehen – aber wenn ich dann doch mal Lust auf sowas habe, soll die Spielfigur dann doch bitte auch hübsch animiert sein. Auf gewisse Weise macht meine Mod so ein Spiel ja sogar noch realistischer.

Deswegen war ich auch sehr gespannt, wann bei Kingdom Come: Deliverance die erste Nude Mod auftauchen würde. Als eine Weile nichts passierte, nahm ich das selbst in die Hand. Ich meine, diese Art von Mods sind in der Spielewelt längst eine Tradition und irgendwie ist es schön zu wissen, dass ich selbst nun auch Teil dieser Tradition bin.

AG: Neben vielen sehr enthusiastischen Stimmen im Kommentarbereich deiner Mod las ich auch vereinzelt kritische Meinungen, die deine Arbeit nicht sonderlich gut finden, weil sie dem ohnehin schwierigen Frauenbild in Kingdom Come: Deliverance einen Bärendienst erweisen. Was hältst du von dieser Kritik? Gibt es für dich als Nude-Modder trotz allem Grenzen, die du nicht überschreiten würdest?

Jan: Ganz ehrlich, keine Mod sollte jemals verboten werden, da sehe ich ganz grundsätzlich die künstlerische Freiheit als gegeben an. Von der Kritik halte ich auch nicht viel, ich meine, wem das nicht gefällt, der soll das doch einfach nicht installieren. Eine gute Frage ist, wo ich meine Grenzen ziehen würde… Ich glaube, grundsätzlich bin ich offen für alle Inhalte, sofern ich mich damit nicht irgendwie strafbar mache oder so. Alles andere geht für mich klar.

Dom Schott

Dom Schott hat Archäologie studiert und schreibt als freier Journalist besonders gerne über spannende Online-Communities, Archaeogaming und seine zwei Kater.